Pavel Dotchev: „Hansa Rostock ist etwas Besonderes für mich“

Pavel Dotchev: „Hansa Rostock ist etwas Besonderes für mich“

Juli 16, 2019 1 Von Carsten Schulte

Mit Viktoria Köln kehrt Pavel Dotchev in die 3. Liga zurück. Und wie das der Fußball manchmal so will, beschert der Spielplan dem 53-Jährigen einen ganz besonderen Gegner. Viktoria reist am Samstag zum FC Hansa Rostock – und Dotchev wird dabei durchaus sentimental.

„Die Partie am 1. Spieltag in Rostock ist für mich etwas Besonderes. Ich freue mich, wieder da zu sein. Ein tolles Stadion, tolle Fans“, so Dotchev wenige Tage vor dem Start in die neue Saison.

Für den Bulgaren ist es eine Rückkehr in die „alte Heimat“, also die Liga. Für Preußen Münster war er erfolgreich Trainer in der Spielklasse, scheiterte 2013 mit sagenhaften 72 Punkte am Aufstieg – was die Erwartungshaltung in Münster so hochschraubte, dass der mittelmäßige Saisonstart danach sofort das Ende für Dotchevs Zeit in Münster bedeutete.

Seinen Aufstiegstraum verwirklichte er dann kurz danach mit Erzgebirge Aue. Und dann kam Rostock. In 70 Partien betreute er die „Kogge“, dann war im Januar 2019 Schluss. Rostock entließ Dotchev und Sportvorstand Markus Thiele gleich mit. Fans starteten gar eine Petition, um die Entlassung rückgängig zu machen, aber naturgemäß führte das zu nichts weiter. Für Thiele gab es dergleichen allerdings nicht …

Jetzt ist Dotchev nach wenigen Monaten Pause wieder mittendrin. Und weiß auch, dass für den Aufsteiger trotz guter Finanzausstattung keine Geschenke verteilt werden. „Es ist uns allen klar, dass die 3. Liga verdammt schwer wird“, so Dotchev gegenüber 100Prozent3Liga.de. „Wir haben ja gesehen, welche namhaften Klubs sich im vergangenen Jahr schwergetan haben, in der Liga zu bleiben.“

Dass die Kölner „rechts vom Rhein“ nicht einfach der Ersatz für Absteiger Fortuna Köln sein werden, sondern eine ganz andere Rolle spielen wollen, liegt auf der Hand. „Im ersten Jahr zählt nur der Klassenerhalt. Im Jahr danach wollen wir die Mannschaft punktuell verstärkeb und stabilisieren und dann eine Spitzenmannschaft in der 3. Liga formen.“

Nun sind solche Mehrstufenpläne in der Liga nichts Neues; und viele Klubs sind an ihren eigenen Erwartungen gescheitert. Aber die Verpflichtung von Pavel Dotchev in Köln ist schon einmal eine Ansage für sich. Die Ziele der Viktoria liegen nicht unbedingt im reinen „Hauptsache, dabei“. Aber zum Start hält Dotchev den Ball lieber flach – sofern dieses alte Wortspielchen noch erlaubt ist. „Ich denke, wer Ahnung vom Fußball hat, weiß, wie Fußball funktiniert. Viktoria ist noch keine Spitzenmannschaft, die so durch die Liga marschiert.“ Es sei wichtig, dass man auch in kritischen Phasen die Ruhe bewahre. „Ich weiß doch, dass wir nicht zaubern können. Dass wir gut sind, weiß ich. Aber wir können bestimmte Schritte auch nicht überspringen.“ Wünsche und Ideen seien das eine – aber die Realität sei anders. „Wir wissen, dass es schwer wird.“

Neuzugänge

Zwei, drei Neuzugänge erhofft sich Dotchev noch – zum Zeitpunkt des Gesprächs. Kurz danach machte Viktoria bereits eine Personalie fix. Ernesto Jose Carratala Jimenez (19) wird die linke Außenbahn bei Viktoria bearbeiten.

Jetzt sucht Dotchev noch einen Stürmer. „Da haben wir nominell nur zwei, das ist für die Liga zu wenig.“ Und jemanden für die Innenverteidigung. Dotchev pragmatisch: „Wenn wir jetzt niemanden mehr bekommen, lasse ich mich auch nicht verrückt machen. Ich traue der Mannschaft das auch so zu.“

„Das“ meint dann eben: Klassenerhalt. „Wir haben ja jetzt eine etwas zusammengewürfelte Mannschaft“, so Dotchevs Einschätzung. Der Aufsteiger hatte erst spät Planungssicherheit, das macht die Kaderplanung etwas, nun ja, komplexer. Die Idee ist nun, das Team über die Saison einzuspielen, dabei den Klassenerhalt möglichst bald fix zu machen. „Anschließend wollen wir uns dann punktuell verstärken.“

Klar sei, dass Viktoria Köln noch nicht zum Start weg so funktionieren werde, wie der Trainer sich das vorstellt. „Im Laufe der Saison werden wir immer wieder korrigieren und uns verbessern müssen. Klar: Je eher wir uns gefunden haben, desto besser.“

Vorfreude auf die Liga

Aber über allem schwebt jetzt der Start, auf den alle Klubs so hinfiebern. „Ich freue mich auf die Liga“, so Dotchev. „Es ist eine attraktive Klasse – mit Rostock, Magdeburg, Braunschweig. Das ist schon namhaft. Vor allem die Ostvereine sind etwas Besonderes mit ihrer Geschichte und ihren Fans.“